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Lyras
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| Die Geheimnisse von Ulduar |  |
Die Geheimnisse von Ulduar
Kapitel 1 - Treffen in der Nacht
"Der alte Gott lacht uns aus... Spielt mit uns..."
"Auf wen sollen wir hoffen...?"
"Wer erhebt sich und stellt sich Yogg-Saron?"
Ein sternenklarer Himmel lag über dem nächtlichen Dalaran. In den Sankten erstrahlten unzählige magische Lichter in verschiedenen Farben und tauchten, gedämpft durch die Fenster die Pflasterstraßen der Stadt in ein buntes Farbenmeer. Die Kristalle surrten eine beruhigende Melodie und eine leichte, aber warme Brise kündete den Sommer an, der bald über Northrend herein brechen würde. Es war eine wunderschöne Nacht.
Dumpfes Flügelschlagen durchbrach schließlich die angenehme Ruhe der verschlafenen Stadt. Im Schatten der Dunkelheit kreiste eine Kreatur um die Türme der violetten Zitadelle und hielt dann auf Krasus‘ Landplatz zu. Der hell erleuchte Platz enthüllte schließlich die Gestalt als einen violetten Netherdrachen – Ein fremdartiger Anblick in diesen Gefilden. Das große Tier streckte seine Hinterbeine nach vorn, bremste seinen Sinkflug durch heftiges Flügelschlagen und setzte dann auf dem Steinboden auf. Die weißen, pupillenlosen Augen des Drachen musterten für einen Moment misstrauisch die Gestalten, die sich auf dem Landeplatz herum trieben. Dann ging er in die Knie, um seinen Reiter absteigen zu lassen.
Der Nachtelf, der nun von dem Rücken des Drachen kletterte, bot ein sehr fremdartiges Bild. Die langen, mitternachtsblauen Haare umrahmten ein dunkles, vernarbtes Gesicht, welches in einem bärtigen Kinn mündete. Die Augen des Nachtelfen leuchteten nur sehr schwach und wirkten beängstigend kampfesmüde. Gekleidet war er in eine Rüstung aus massivem, geröteten Gronnleder - Kreaturen, die man nur tief in der Scherbenwelt finden konnte. Sie wies eine große Zahl an Kerben und Rissen auf, was darauf schließen lies, dass sie bereits sehr häufig im Einsatz war. Noch fremdartiger als seine Kleidung, war jedoch der Bogen, den der Nachtelf geschultert hatte. Die langen Arme der Waffe waren mit unzähligen fremdartigen Runen übersät und mündeten an ihrem Zentrum in einer dämonischen Fratze, aus der grüner Rauch hervor stieg. Es war nicht schwer zu erahnen, dass es sich bei diesem Mann nicht um einen einfachen Waldläufer aus Darnassus handelte.
Der Nachtelf klopfte dem Drachen freundschaftlich auf die Schulter, bevor er leise zu sprechen begann:
"Danke für den schnellen Ritt. Es tut mir leid, dass ich dich zu solch später Stunde noch so fordern musste, Malfas. Aber ich werde es wieder gut machen...". Der große Drache brummte leise. Seine Mundwinkel bewegten sich und langsam und mit gebrochener Sprache antwortete er.
"Versprochen ist versprochen. Doch wenn du mir einen Gefallen tun willst, beeile dich. Dieses Klima ist eine echte Qual und ich möchte hier so schnell wie möglich wieder weg." Der Nachtelf nickte verständlich und strich dem Drachen noch einmal über den Hals.
"Das werde ich. Warte nur hier auf mich." Dann wandte er sich ab und schritt auf den Turm zu, der einen Zugang in die Stadt offenbarte. Malfas schlug kurz mit den Flügeln und trottete dann in eine Ecke, nahe der Mauer des Landeplatzes. Dort lies er sich gemächlich in das Gras sinken. Er verschränkte die Vorderläufe und stütze damit seinen Kopf. Seine Augen beobachteten wieder die fremden Gestalten, die sich auf dem Landeplatz tummelten. Es handelte sich um Vertreter aller Rassen und Klassen, welche in der Allianz oder der Horde anzutreffen waren. Die Kirin’Tor duldeten keine Auseinandersetzungen in ihren Stützpunkten und so blieb Dalaran von der offenen Feindschaft, die seit dem Vorfall an der Pforte des Zornes neu entfacht wurde, größtenteils verschont. Untote Schurken und andere Halunken besaßen hier dieselben Privilegien wie hochrangige Paladine aus Stormwind. Und selbst die zwielichtigen Todesritter konnten sich hier auf offener Straße zeigen. So vielfältig wie die Besucher Dalarans, waren auch die Reittiere, mit denen sie die fliegende Stadt erreicht hatten und die sich nun auf dem Landeplatz ausruhten oder auf ihre Herren warteten. Das Spektrum reichte über flügellahme Greifen und einigen gepanzerten Flügeldrachen auch über eine Vielzahl junger Drachen, die den unterschiedlichsten Aspekten angehörten. Viele Sterbliche fanden ihren Weg in den Wyrmruh-Tempel und hatten im gemeinsamen Kampf um den Frieden einen treuen Begleiter gefunden. Doch ob sie wirklich alle freiwillig zu ihren Herren standen? Malfas beäugte misstrauisch einen schwarzen Drachen, der angekettet an der gegenüberliegenden Mauer lag und seinen Blick mit einem aggressiven Funkeln erwiderte. Malfas wartete selbst auf den Tag, an dem er den Tempel besuchen konnte. Auch wenn sie alle verstoßene Kinder eines Monsters waren, stand den Netherschwingen ein Platz im Wyrmruhpakt als ihr rechtmäßiges Erbe zu. Doch war es noch unklar, wann sie dieses Erbe einfordern würden… Alextraza würde sie in Zeiten des Krieges vermutlich als willkommene Verbündete begrüßen, doch die Macht der anderen Aspekte besorgte ihn. Sein Blick wanderte erneut zu dem schwarzen Drachen, der daraufhin mit lautem Schnauben antwortete.
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9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen: "Ich bin nicht verrückt..." Die andere schreit: "Nicht genug Wut!"
Dieser Beitrag wurde von Lyras am 10.06.09, 07:56 Uhr editiert.
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15.04.09, 03:49 |
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Lyras
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Die Kirin’Tor boten jedem ihre Dienstleistungen und Unterkünfte an, der sie in ihrer Sache unterstütze. Und genau das war der Grund, welcher den Nachtelfen in dieser Nacht her geführt hatte. Der Jäger hatte es nach vielen schmerzvollen Erfahrungen vorgezogen, seinen Gefährten nicht nach Northrend zu folgen, sondern stattdessen in die Wälder Ashenvales zurück zu kehren. Doch eine unangenehme Pflicht forderte in dieser Nacht seine Anwesenheit.
Er war kaum die Treppe, die in die Stadt führte, hinab gestiegen, als er eine Gestalt ausmachte, die sich halb im Schatten verbarg. Zwei weiße Augen funkelten ihn an, begleitet von einer wölfischen Mimik. Der Nachtelf schmunzelte leicht. Er trat die letzten Stufen herab und ging auf die Gestalt zu, welche ihn ausgiebig musterte.
"Elune’adore, Falanasi. Komm aus dem Schatten und starr‘ mich nicht so an." Die Gestalt reagierte nur zögernd, folgte dann aber seiner Aufforderung. Aus der Dunkelheit schälte sich ein wölfisches, bartloses Gesicht. Die Konturen waren sehr ausgeprägt und vermittelte ein ernstes dreinschauendes Bild, welches noch dadurch verstärkt wurde, dass dieser Nachtelf ohnehin sehr besorgt schien. Das gesamte Bildnis wurde von einer langen, glänzend weißen Haarpracht eingerahmt, die ihm bis über die Schultern hing. Vom Körperbau überragte er seinen Artgenossen um einige Zentimeter, war aber dafür vergleichsweise sehr drahtig gebaut. Er wirkte sehr agil und flink und die schwarze Lederrüstung, die vereinzelt mit goldenen Konturen verziert war, gab eindeutige Rückschlüsse auf sein Gewerbe. Verdeutlicht wurde dies noch durch die zwei Dolche, welche griffbereit an seinem Gürtel hingen. Auch in die breiten Schulterpolster waren jeweils drei Wurfmesser eingebettet, welche zum schnellen Einsatz bereit standen. Er musterte den anderen Nachtelf noch eine Weile, bevor er leise zu sprechen begann.
"Ishnu’alah, verzeih aber in diesen Zeiten ziehe ich es vor, nicht von jedem beliebigen Streuner erkannt zu werden. Du bist spät dran, Lyras."
Der andere Nachtelf nickte knapp und verzog die Lippen.
"Es ging nicht schneller, tut mir Leid aber es ist ein langer Weg hier her, wenn man nicht auf die Portalmagie zurückgreifen kann. Und was dein Versteckspiel angeht, glaube ich doch, das du einfach Angst hast, dir könnte jemand begegnen, den du erst kürzlich um seine habe erleichtert hast", antwortete er ernst. Falanasi sah ihn weiter an.
"Warum bist du so gereizt? Besorgt dich etwas?", fragte er. Lyras nickte wieder.
"Gibt es etwa einen Grund, nicht besorgt zu sein?", erwiderte der Jäger.
"Das schon. Doch frage ich mich ernsthaft, wem diese Sorge gilt", Konterte Falanasi sofort. Lyras brummte leise. Er hatte eine solche Reaktion erwartet. Falanasi sprach immer direkt aus, was er dachte. Das war meistens gut, doch manchmal auch irgendwie lästig.
"Das lässt du bitte mich entscheiden.", antwortete er schließlich. Falanasi zuckte darauf nur mit den Schultern.
"Wie du meinst. Eigentlich war das ja auch nicht der Grund unseres Treffens..." meinte er. Lyras erneut zustimmend.
"Richtig. Also erzähl, was ist passiert? Ich habe auf dem Weg hier her einen kurzen Zwischenstopp in Valgarde gemacht und einige wirre Gerüchte aufgefangen. Die Titanen… Der Todesgott… Ist an der Sache wirklich was dran?" Diesmal war es Falanasi, der mit einem verbitterten Nicken antwortete und seine Mimik bekräftigte noch einmal den Ernst der Lage.
"Ich fürchte, genauso ist es. Der Todesgott Yogg-Saron, welchen die Titanen lange vor unserer Zeit in der Festung Ulduar einschlossen, soll befreit worden sein. Ich war im Lager von Magni Bronzebart, nur wenige Stunden, bevor seine Expedition aufbrach. Und heute Abend brach dann das Chaos aus." Berichtete Falanasi. Mit ernstem Gesichtsausdruck sah er Lyras an.
"Und jetzt?", sprach dieser. "Wie werden die Kirin’Tor auf diese Bedrohung reagieren?" fragte der Jäger.
"Ich weiß aus sicherer Quelle, dass König Wyrnn gebeten wurde, sich in Dalaran mit Erzmagier Ronin zu treffen. Womöglich ist er schon hier...", der Schurke machte eine kurze Pause, bevor er zögernd fort fuhr. "Und eben kam eine Garde aus Ogrimmar hier vorbei... Angeführt von Kriegshäuptling Thrall... Du weißt, was an der Pforte des Zorns geschehen ist...?", Lyras nickte wieder knapp.
"Hab davon gehört...", sprach er kurz. Falanasis Miene verfinsterte sich noch weiter.
"Ich habe kein sonderlich gutes Gefühl, wie dieses Treffen ausgehen wird...", murmelte er. Lyras antwortete mit einem Schnauben.
"Die Welt um uns herum versinkt im Chaos und dieser Narr, den die Menschen als ihren König preisen, will, dass wir uns gegenseitig zerfleischen. Du kennst meine Meinung dazu. Ich halte mich da raus. Ich habe mit der Allianz abgeschlossen und kümmere mich nur noch um meine eigenen Sorgen."
Falanasi hob als Reaktion eine Augenbraue.
"Dann hatte ich also recht? Deine Sorge gilt allein ihr?" meinte er. Lyras nickte wieder.
"Naxxramas war eine Sache. Ich kenne Daedras Fähigkeiten und ich befürchte, die alten Titanen sind eine Nummer zu groß für sie. Die zunehmenden Erfolge im Kampf gegen die Geißel könnte die Agonie zu übermütig werden lassen. Ich würde es nie ertragen, sie zu verlieren...",
"Also willst du sie von hier wegholen.", beendete Falanasi den Satz.
"Genau das will ich.", entgegnete Lyras. Falanasi versuchte wieder, seine Mimik zu analysieren.
"Wenn du mich fragst, schenkst du ihr einfach zu wenig Vertrauen. Sie ist eine starke Frau und kämpft in einer der besten Kriegsgilden dieser Welt. Ich bin sicher, dass sie Erfolg haben werden, wenn du ihr nur die Chance gibst."
"Pah...", raunzte Lyras. "Da sprichst du von Vertrauen? Ich hatte dich gebeten, auf sie aufzupassen. Stattdessen hast du der Agonie den Rücken gekehrt und bist im Schatten verschwunden...", Falanasi unterbrach ihn.
"Hey! Du weißt genau, warum ich damals gegangen bin. Und ich war es nicht, der seine Familienpflichten vernachlässigt hat, also lass deine Wut nicht an mir aus!", fuhr er den Jäger an. Ihre wütenden Blicke trafen sich. Lyras atmete tief durch.
"Gut... Du hast ja recht... Dennoch, ich werde nicht zulassen, dass sie sich auf dieses gefährliche Spiel einlässt.", sprach er dann. Falanasis Miene klarte wieder etwas auf - Wenn auch nur unwesentlich.
"Wie du meinst...", sprach er dann leise. "ich kann es dir nicht ausreden. Ich werde selbst noch eine Weile in der Stadt bleiben. Shorai wird hoffentlich morgen früh vom Wyrmruh-Tempel zurück kehren, damit ich mich mit ihr über die Situation beraten kann. Warum schließt du dich uns nicht an?"
Doch Lyras winkte ab.
"Nein, danke. Ich will es einfach hinter mich bringen und dann aus dieser frostigen Hölle verschwinden. Ich weiß wirklich nicht, was dich hier hält..." Falanasi grinste darauf nur.
"Wir werden sehen. Sobald du erst mal wieder Blut geleckt hast, wirst du früher oder später wieder hier auftauchen.", Lyras seufzte nur schwer.
"Das glaube ich kaum... Es ist einfach nicht mehr dasselbe, seit ich Nebelparder verloren habe...", sprach er leise und senkte dabei den Blick. Falanasi schwieg, doch man sah ihm seinen bekümmerten Gesichtsausdruck an.
"Umso dringender muss ich verhindern, dass ich Daedra verliere. Ich habe sonst niemanden mehr...", meinte Lyras.
"Du hast uns!", konterte Falanasi sofort.
"Du weißt genau, was ich meine.", zischte Lyras. "Ich werde sie nun aufsuchen. Und mach‘ dir keine Sorgen. Ich bekomme das schon hin..."
"So wie damals, auf der Azurmythosinsel...?", meinte Falanasi und biss sich für diesen Spruch sofort auf die Lippen. Lyras sah ihn kurz mit einem emotionslosen Blick an. Dann wandte er sich ab und ging langsam Richtung Marktplatz. Falanasi lehnte sich an die Wand und sah ihm noch lange nach. Er wusste, dass er ihn verstanden hatte...
- Fortsetzung folgt -
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 Blind
9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen: "Ich bin nicht verrückt..." Die andere schreit: "Nicht genug Wut!"
Dieser Beitrag wurde von Lyras am 20.04.09, 22:11 Uhr editiert.
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15.04.09, 03:50 |
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Liûtasil
Dabei seit: April 07
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Nice! Wann komm ich in der Geschichte vor?
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15.04.09, 23:44 |
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Junsaku
Agonist
   

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Es war eine Nacht wie von Sagenzeiten her. Der Sternenhimmel thronte hoch oben am Firmament und versetzte die Stadt Dalaran in einen wunderschönen Glanz. Vereinzelt bedeckten dunkelgraue fast violette Wolken den Himmel, die durch die Kälteströme diese mystische Farbe erhielten. Laternen beleuchteten die mit Backstein bepflasterten Straßen der neu geborenen Hauptstadt. Durch die leeren Gassen und Straßen huschten im verborgenen unbekannten Schatten, deren Abbilder sich auf den Gemäuern wie Dämonen abzeichneten. So unscheinbar und harmonisch die Stadt auch wirkte, so trügten die geheimnisvollen Wesen im Schatten den Schein der Geborgenheit.
Stille umklammerte die Stadt wie unsichtbare Klauen, nur hie und da vermochte man ein Schnauben und Whieren der unterschiedlichsten Pferde und reitbaren Wesen zu hören, welche die Luft mit ihren Lauten schier beinahe zerrissen.
Die Lichter in Geschäften und Häusern waren erloschen und hinterließen anstatt Türen und Fenster nur tief schwarze Mäuler. Doch nein, nicht alle Häuser lagen im Dunklen.
Unweit des großen Allianz Torbogens stand noch eine Türe offen, hinter der sich ein heiteres Stimmengewirr breit gemacht hatte. Sogar die freudigen Klänge einer Laute und das frohlockende rufen einer Fiedel erfüllte die Nacht mit erheiternder Musik. Ein Schild über dem erleuchteten Eingang verriet den Namen der Spielunke "Zum gefeierten Helden."
"Ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen! Dieses Scheusal! Ich sag euch eines. Das Monster hatte drei Arme. Stellt euch das vor. Drei Stück mit riesig großen Fleischerbeilen. Aber ihr glaubt doch nicht etwa das ich gekniffen habe oder?! Haha.. Nein ich habe mich ganz alleine rein gestürzt und diesem Abschaum gezeigt wo der Weg längs geht." Lachend setzte, ein dickbäuchiger Zwerg, mit einem knie langen rötlichen Bart und einer zotteligen Mähne, lautstark seinen Bierkrug auf einer alten Tischplatte, gegenüber der Treppe, ab. Drei noch recht junge Männer saßen ihm gegenüber auf einer Bank und lauschten begeistert dem Geschwafel des Zwerges. Schon in einer Tour prahlte er von seinen Heldentaten denen man lediglich so weit trauen konnte, wie einem zwielichtigen Händler der einem einen Stapel Blätter als tüchtiges und weises Buchband verkaufen wollte.
Leicht verdrehte eine Gestalt neben der Treppe die Augen und schirmte mit der rechten Handfläche genervt die Augen ab. Es war ein Graus den Worten zuzuhören, doch so laut wie der Zwerg da durch die Kneipe pöbelte, konnte man einfach an nichts anderes denken, geschweige denn sich entspannen. Seufzend zog er die Hand von seiner Stirn runter, um sich anschließend nun die schweren mit goldenem Stahl versehenen Handschuhe von den Fingern zu ziehen und neben dem Metkrug auf den Tisch zu legen. Vielleicht brachte es etwas, wenn man es sich etwas gemütlicher machte. Ächzend sackten die schweren Handschuhe auf die Tischplatte. Sie bestanden nicht nur aus Edlem Metall sondern waren auch mit Türkiesen Runen verziert. Es waren prachtvolle und Edle Handschuhe, doch wenn man sich diesen Mann nun genauer besah, dann erkannte man sofort das nicht nur die Handschuhe von unschätzbarem Wert waren, sondern auch die gesamte Rüstung, jenes Herren, die ohne unterlass aus diesen edlen Materialien bestanden. Dieser Mann, so kam es einem vor, war im puren Gold gekleidet. Ein Edelmann. Einer mit hohem Rang. Ein Argentumchampion vielleicht. Ein Paladin. Seine Haltung, seine Rüstung, seine willen- und ausdrucksstarken Augen sprachen von einer hohen Disziplin sowie einem beherrschten Auftreten. Aufwändig hatte er den Bart gestutzt, der geradlinig von der Oberlippe bis zum Kieferknochen hinab führte. Über dem Kinn hatte er noch die Form eines Dreiecks zurückgelassen.
Dieser Zwerg strapazierte allerdings seine Geduld. Leicht genervt rutschte er mit dem Hintern über den Stuhl nach vorne. Er versuchte sich zu beherrschen. Stützte seine Handflächen gegen die Stirn und betrachtete angestrengt den Tisch, ehe sich eine filigrane Hand auf die Armschienen des linken Armes legte. "Hör doch einfach nicht hin Junsaku." Eine ruhige und besinnliche Frauenstimme drang an Junsakus Ohren, woraufhin er nur leicht mit dem Kopf schüttelte, um zu signalisieren, dass er gleich explodieren würde. Junsaku war zwar diszipliniert und auch ehrgeizig wenn es darum ging etwas zu erreichen, aber er konnte Dummschwätzer bis auf den Tod nicht ausstehen. Langsam öffneten sich die braunen Augen des Paladins wieder, die er zur Beruhigung geschlossen hatte, ehe er den Blick nach links wendete und direkt in die hellen weiß leuchtenden Augen einer weißhaarigen Nachtelfin blickte. "Ich weiß es doch Infano.. Aber wenn dieser Kerl nicht gleich seine Klappe hält, dann stopfe ich sie ihm persönlich." Barmherzig brachte die Nachtelfin ein schmales Lächeln zum Vorschein, ehe sie mit dem Kopf schüttelte und Junsaku beschwichtigend auf die Armschiene klopfte. "Was willst du denn machen? Ihn mit deiner Weisheit erschlagen? Oder ihn mit deinem Licht blenden? Lass es doch einfach sein.. Meinst du nicht das wir heute schon genug gekämpft haben?" Seufzend und ausgelaugt ließ sich Junsaku zurück auf den Stuhl sinken, ehe er sich mit der rechten Hand etwas unwirsch durch die schwarzen schulterlangen Haare strich. "Weiß du was mir auf der Seele liegt? Weshalb mir der Kerl da auf den Geist geht? Ich bekomme die heutige Schlacht einfach nicht aus dem Kopf. Das beschäftigt mich schon die ganze Zeit. Heute als wir versucht haben die Geißel zurück zu schlagen.. Ich habe Kel’Thuzad gesehen und für einen Moment war ich wie gelähmt. Ich habe sein höhnisches Lachen gehört, dass immer wieder in meinen Ohren widergehallt ist. Ich war wie gelähmt, als er zwischen dem ganzen durcheinander wie ein wahnsinniger auf Daedra eingeschlagen hat. Ich hatte eine Blockade Infano. Ich wusste für einen Moment nicht was ich tun sollte. Dieser Schrei, dieses Lachen und dann diese erschütternden Geräusche von Daedras Rüstung. Ich dachte.. jeden Moment ist sie tot und ich habe nicht reagiert!" Seufzend blickte Infano Junsaku und die Augen, ehe sie dann anfing leicht den Kopf zu schütteln. "Aber du hast es doch geschafft. Du hast gerade noch rechtzeitig reagiert! Daedra ist nicht gestorben.. wir haben es geschafft. Ich glaube du solltest erst einmal eine Pause einlegen. Du bist überanstrengt u-" Mit einem Mal unterbrach Junsaku sie und schüttelte vehement mit dem Kopf "Nein! Ich will das nicht hören Infano. Wir machen alle eine harte Zeit durch. Schon eh und je. Wir fallen vom Regen in die Traufe! Ich kann es mir nicht leisten euch im Stich zu lassen. Vor allem jetzt nicht..Infano… Jetzt wo.. Das neue Unheil auf uns zukommt." Seufzend ergriff Junsaku den Metkrug und setzte zu einem tiefen Schluck des beruhigenden Getränkes an. Infano nutzte die Chance und ergriff das Wort. "Ja ich weiß Junsaku. Ich mache mir ja auch sorgen um die Zukunft.. ich weiß nicht wie das noch weiter gehen soll. Wir haben schon viele Kritische Momente erlebt, aber wir haben es geschafft. Wenn wir uns weiterhin bemühen und anstrengen dann werden wir alles erreichen. Wir haben doch einen guten Zusammenhalt. Gemeinsam werden wir das erneute Übel versuchen zu bezwingen. Ich Zweifel nicht an deinem können, oder das von den anderen. Du musst manchmal einfach mehr vertrauen in die Fähigkeiten der Anderen haben. Sei nicht immer so misstrauisch deinen heilenden Freunden gegenüber. Und lass dich bitte nicht von diesem einem Rückschlag in die Knie zwingen. Wir alle würden es nicht wollen, wenn du dir das ganze zu Herzen nehmen würdest." Nickend bestätigte Junsaku die Worte der Nachtelfin, ehe sich ihm nun ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen schlich. "Du hast Recht. Wir haben es geschafft. Und ich schwöre dir jetzt schon, dass sich dieser Titan wünschen wird, nie freigelassen worden zu sein. Ich bin mal auf sein Gesicht gespannt wenn sich unser Epthor schreiend auf ihn stürzen wird. Wir kennen ihn ja." Das Schmunzeln artete zu einem Grinsen aus, ehe sich Junsaku dann doch von seinem Platz hoch drückte und Infano zuversichtlich zu nickte. "Wir sehen uns morgen in aller frische." Etwas verdutzt hob Infano den Kopf. Warum denn nun auf einmal diese Eile? "Was hast du vor?"
Kurz um zog sich Junaku mit geschickten Griffen die Handschuhe wieder an, ehe er dann sein Schild Schulterte und sein Schwert anlegte. Das Schild besaß eine recht unheimliche Ausstrahlung. Es war bespickt mit Fratzen, Totenköpfen, die erschrocken ihre dunklen Mäuler aufrissen. Am unteren Ende des Schildes thronte ein größerer gehörnter Totenschädel in dessen Augenhöhlen zwei türkise leuchtende Edelsteine eingelassen waren. Das Schwert welches er trug hatte eindeutig die Form eines Drachenschädels. Die lang gezogene Spitze Schnauze des Drachen diente als Schwertspitze, von dort aus formte sich der Kopf. Das Auge des Drachen bestand aus einem kleinen grell bläulich schimmernden Edelstein. Der Hals des vermeintlichen Drachen formte die zweiseitige Klinge. Die Klinge war in zwei bereiche unterteilt. Die obere Schneide bestand aus zwei spitzen Zacken, die den Kopfschmuck des Drachen darstellten und die untere Schneide verfärbte sich in ein unnatürlichen mystischen Grünschimmer, der sich wallend über die Schneide hinweg zum Mund des Drachens nach oben wand. Oberhalb des Griffes thronte eine, in das Metall eingelassene, runde blaue Rune, von der aus wahrscheinlich das Grün in die untere Schwertschneide hinein floss.
"Was ich vor habe?" Wiederholte Junsaku witzelnd und zwinkerte kurz um Infano zu. "Ich werde dem Zwerg das geben was er verdient." – "Warte!" Stieß Infano schockiert hervor, doch da war es schon zu spät.
Mit klirrenden und schweren Schritten bewegte Junsaku zielstrebig seinen Platten bespickten Körper auf den Zwerg zu. Bestimmend griff er nach der ihm zu gewandte Schulter, hob gleichzeitig seinen anderen Arm, um die Faust kampfbereit zu machen, als Junsaku plötzlich zwei kräftige Hände auf seinen Schultern spürte, die ihn ruckartig nach hinten und von dem ahnungslosen Zwerg zurück rissen. "Hah!" Stieß er erschrocken hervor, ehe er durch seine schwere Plattenbekleidung ins stolpern sowie ins taumeln geriet. Den Angreifer von hinten konnte er nicht sehen, aber er schätzte, dass es ein Mann war. Allerdings kam es nicht zu einem Sturz, denn der Angreifer hatte das wanken bemerkt und geschickt Junsaku zur Unterstützung sein Knie an das Steißbein gedrückt, sowie auch seinen Druck von den Händen nach vorne verlagert. "W-was soll das?!" presste Junsaku empört und erschrocken hervor, bevor sich eine Raue und neckische Stimme in seinem Ohr festsetzte. "Du willst doch nicht etwa ohne mich Stunk anfangen?!" Die Stimme war ungefair eine Oktave tiefer als die von Junsaku. Es war eine unverwechselbare Stimme. Er kannte sie! Und wie er sie kannte. Frustriert ergriff Junsaku die Hände, die auf seinen Schultern lagen, ehe er sie von sich los riss und sich ruckartig zu dem Mann um drehte. "Das war nicht witzig Epthor. Beinahe hätte ich mich hier zum Deppen gemacht." zischte der Paladin dem Mann entgegen. Geradewegs blickte Junsaku in ein verschmitzt grinsendes Gesicht, ehe der Krieger ihm frohen Mutes gegen die rechte Brustseite schlug. "Wieso beinahe." Feixend wendete sich Epthor von Junsaku ab, um sich nun zu Infano an den Tisch zu setzen, die das ganze Geschehnis amüsiert grinsend verfolgt hatte. Wenigstens hatte Epthor es geschafft Junsaku die Würze aus seiner Streitlust zu nehmen. Ja er hatte ihm den Wind aus den Segeln genommen. Die Lust, sich mit dem Zwerg anzulegen war vergangen, weswegen sich Junsaku doch besser zurück zog und sich zu den Beiden wieder an den Tisch gesellte. Nun gab es wesentlich interessantere Dinge, als diesen Barbaren zu verprügeln, denn nun war Epthor da, und wenn dieser anwesend war, blieb einem keine Zeit sich von irgendwelchen Banausen ablenken zu lassen. Dieser Krieger hier schaffte es schließlich immer die ganze Tischrunde mit seinen selbstironischen Sprüchen bei Laune zu halten. Wenn er nicht gerade seine mürrischen und genervten Phasen an den Tag legte.
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Dieser Beitrag wurde von Junsaku am 20.04.09, 21:47 Uhr editiert.
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20.04.09, 21:40 |
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Liûtasil
Dabei seit: April 07
Herkunft: La Calamine
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13910 Gold |
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Ich zitiere: Original von Liûtasil
Nice! Wann komm ich in der Geschichte vor?
Ich widerhol mich nicht gern. Ich kann auch den Text editieren und überall meinen Namen einsetzen :D
PS: gefällt mir wirklich gut
PPS: Wenn das so weitergeht nehme ich mir mal die Zeit und füge das alles in nem gesonderten nicht editierbaren Thread zusammen und ergänze dann immer wenn was neues kommt. Jetzt will ich mehr von dem Zeug!
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20.04.09, 22:45 |
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Lyras
Ratsmitglied
      

Dabei seit: Februar 08
Herkunft: Osten
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6325 Gold |
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Kapitel 2 - "Schatten der Vergangenheit"
Zwei Gestalten stiegen die breite Treppe, die aus dem Inneren der violetten Zitadelle führte, herab. Die schweren Rüstungen, die gebeugte Haltung, sowie übermäßig breite Statur verriet bereits die Identität der Orks, bevor sie überhaupt aus dem Schatten, den der Zitadellenturm warf, hervor getreten waren. Der dunkelhäutige Ork hatte seinem Artgenossen gegenüber absichtlich einen deutlichen Vorsprung eingenommen. Er wirkte angespannt und seine Augen funkelten aggressiv. Am Fuße der Treppe riss er der Elitewache mit mürrischem Schnauben die Zügel seines Kriegswolfs aus den Händen, und machte sich dann daran, aufzusteigen.
Der zweite im Bunde lies sich Zeit. Das Mondlicht enthüllte langsam die schillernde Rüstung von Ogrim Doomhammer, während Thrall mit einem missmutigen Brummen die Stufen hinab stieg. Einen Moment blieb er stehen, lies seinen Blick Gedankenversunken über die leeren Gassen Dalarans schweifen - Und seine Augen blieben an der Gestalt hängen, die Garrosh in seiner blinden Wut übersehen hatte.
Er sah in zwei weiße Augenschlitze. Sie hatten ihr einst so intensives Leuchten bereits seit längerer Zeit verloren. Sie wurden eingerahmt in ein paar blutrote, gezackte Tätowierungen, welche das halbe Gesicht der Nachtelfe zierten. Die für Ihresgleichen ungewöhnlich ausgeprägten Konturen ihres Gesichtes mündeten in ein kurzes, schmales Kinn, welches die Züge ihres provokanten, schmallippigen Mundes noch verstärkte. Ihr Gesicht umgab zerzaustes, nicht mal schulterlanges Haar, welches im dunklen violett leuchtete. Die elfische Grazie ihrer Art wurde durch die dicke, matt-schwarze Plattenrüstung noch weiter untergraben. Die fremdartigen Runen und Einprägungen, welche sich über die Konturen von Harnisch und Beinplatten zogen, sowie die großen Schulterplatten, welche die Form zweier Totenschädel besaßen, ließ sie wie einen Todesritter wirken. Doch ihr heruntergekommenes Äußeres vermittelte oft ein trügerisches Bild über ihre Herkunft und ihren Werdegang. Doch stimmte es, dass diese Rüstung wohl ursprünglich für einen Todesritter gedacht war, denn sie stammte aus den Rüstkammern von Naxxramas. Viele Kerben und Risse in der Struktur zeugten von der Berufung der Kriegerin. Der abgenutzte Plattenpanzer hatte schon einige harte Schläge einstecken müssen, die jeden Sterblichen vermutlich sofort getötet hätten.
Quer um ihre Hüfte und ihr Gesäß hatte sie einen breiten Lederriemen geschnallt, an dem neben einer Feldflasche und einer kleinen Seitentasche auch die Scheide mit ihrem stets griffbereiten Schwert hing. Es handelte sich um ein Runenverziertes Breitschwert, dessen Klinge mit rot-schwarzen Verzierungen bedeckt war. Das auffälligste Merkmal war aber der halbmondförmige Zahnkranz, in den die Schwertspitze mündete. Er ließ die Waffe ungewöhnlich schwer erscheinen und es war zu erahnen, dass ihre Effektivität mehr auf der Schlagkraft des tragenden Armes gesetzt wurde, als auf die Schärfe der Klinge.
Das auffälligste Merkmal der Nachtelfe war jedoch der große Turmschild, welche sie auf ihren Rücken gebunden hatte. Die Platte war sehr dick, an einigen Ecken waren tiefe Kerben eingerissen und in seinem Zentrum bildete sich eine Schädelförmige Fratze, aus deren Augen zwei Rubine funkelten. Der Schild war knapp größer als ihr Oberkörper und war aus Saronit gegossen. Er war nicht so schwer zu tragen, wie man auf dem ersten Blick glauben würde, ein Leichtgewicht war er deswegen jedoch noch lange nicht.
Thrall beäugte die Nachtelfe misstrauisch, als er an ihr vorbei schritt. Seit die Feindlichkeit zwischen der Horde und der Allianz wieder auf erstarkt ist, kam es immer wieder zu Übergriffen seitens der Allianz auf Ogrimmar. Meist waren diese Angriffe ein sinnloses Unterfangen, doch es gab auch Gruppen, die sich gut genug organisierten, um seine Hallen zu stürmen. Thrall hatte in seinem Leben gegen viele Gegner gekämpft - Sei es in der Arena von Durnholde, im Exil von Lordaeron, dem Kampf gegen die Legion oder ihrem Überlebenskampf in ihrer neuen Heimat Durotar. Bisher war er immer siegreich aus jeder Schlacht hervor gegangen und hatte jede Herausforderung überlebt. Diese Kämpfe hatten viele Narben hinterlassen. Und immer wieder musste er sich mit übermütigen Kopfgeldjägern der Allianz messen. Während er die Nachtelfe eingehend musterte, fuhr er sich eher unwillkürlich mit der Hand über die linke Schläfe. Das zurückgestreifte schwarze Haar enthüllte eine kleine, unscheinbare Narbe, welche sich über die Schläfe bis kurz über dem Ohr zog. Es war nur eine Narbe von Vielen und sie ging in seiner kriegsgeformten Erscheinung vollkommen unter, doch in diesem Moment war sie präsenter, alles seine schlimmsten Wunden. Diese Narbe stammte von ihr - Eine Anmaßung, die er von vielen Widersachern hat erdulden müssen und die meisten hatten dafür mit ihrem Leben bezahlt, doch diesem Mädchen war es gelungen, Ogrimmars Grunzern zu entkommen und aus Durotar zu fliehen. Erst viel später konnte Thrall in Erfahrung bringen, welcher Blutlinie die Elfe entstammte und es entlockte ihm in diesem Moment ein zufriedenes Schmunzeln.
Ihre Blicke trafen sich nur kurz. Die Nachtelfe schritt an ihm vorbei, wenn auch einen respektablen Sicherheitsabstand wahrend. Thrall setzte seinen Weg fort und nahm die Zügel seines Reitwolfs entgegen. Garrosh musterte ihn argwöhnisch, während der Kriegshäuptling aufstieg.
"Woran denkst du, dass du in dieser Situation so hämisch Grinsen kannst?" fragte der Ork knurrend. Thrall’s Blick wanderte von Garroshs zornfunkelnden Augen zu einer weiteren Gestalt, welche die Straße zur Zitadelle herab gewandert kam.
"An die Vergangenheit, Garrosh."
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07.06.09, 00:35 |
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Lyras
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Lyras sah aus einigen Metern Entfernung, wie die Delegation der Horde abzog. Falanasi schien recht zu haben, denn sonderlich gut gelaunt sahen die Orks nicht aus – Insoweit man das bei ihrer Rasse überhaupt beurteilen konnte. Allerdings waren sie für ihn auch von geringem Interesse. Lyras war aus einem anderen Grund hier her gekommen und er fand, was er gesucht hatte.
Daedra lehnte am Treppengeländer. Den Schild hatte sie an die Seite gelegt und sie selbst war in ein Pergament vertieft. Als sie der Anwesenheit des Jägers gewahr wurde, sah sie auf und ihre Blicke trafen sich. Zu Lyras‘ Überraschung war ihr Blick vollkommen monoton, als hätte sie damit gerechnet, dass er kommen würde. Er trat näher. Für eine Weile herrschte Schweigen und nur das Summen der Kristalle durchbrach die unheimliche Stille.
"Du scheinst mich erwartet zu haben..." begann Lyras schließlich. Zu seiner innerlichen Zufriedenheit kam ihre Antwort zögerlich, wenn auch entschlossen.
"Ich dachte mir schon, dass du früher oder später nach mir suchen würdest. Aber ich bin überrascht, dass du grade jetzt auftauchst. Ich nehme an du kommst wegen dieser Angelegenheit in Ulduar?"
Lyras nickte nur knapp. Eine Geste, die bei ihr keine sichtbare Reaktion hervorrufen konnte. Die Nachtelfe fuhr fort.
"Ich dachte, du hättest damit abgeschlossen? Warum interessierst du dich jetzt auf einmal für die Geschehnisse soweit ab von deiner Heimat?"
"Unsere Heimat!" erwiderte der Jäger barsch. Sie schnaubte darauf hin nur kurz. "Und ich bin nicht wegen Ulduar hier. Ich komme deinetwegen, Mädchen." Diese Aussage veranlasste die Kriegerin dazu, kurz ihre Augenbrauen zu heben. Doch sie fasste sich schnell wieder und setzte stattdessen ein provokantes Schmunzeln auf.
"Ich nehme nicht an, dass du hier bist, um mir Glück zu wünschen…"
"Nein, deswegen bin ich auf keinen Fall hier." Knüpfte Lyras sofort an. "Und wisch‘ dir dieses dreckige Grinsen aus dem Gesicht. Ich finde nichts Amüsantes dabei." Ihre Mimik erstarrte wieder.
"Wie du meinst." Sie rollte das Pergament zusammen und schob es unter die Panzerplatte am Oberschenkel. "Also, was genau willst du von mir? Jetzt nach fast drei Jahren?" Sie sah ihn erwartungsvoll an. Lyras hielt ihrem Blick stand. Er musterte sie ausgiebig.
Es stimmte, dass es lange her war, als er sie das letztemal gesehen hatte. Daedra Moonsong, das neugierige, freche Mädchen aus Ashenvale. Eine junge Frau, die das Leben und ihre Heimat liebte, nun verkommen und verwahrlost - Ein Opfer von Krieg und Gewalt, genährt durch krankhaften Hass und Zerstörungswahn. Ein Schicksal das er hätte verhindern können, wenn er damals etwas richtig gemacht hätte...
"Ich will, dass du diese Rüstung ablegst und mit mir kommst - Nach Hause!" Die Entschlossenheit in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er sah sie erwartungsvoll an. Ihre einstmals strahlenden Augen waren kalt und glanzlos, doch sah er noch immer ihre lebendige Seele dahinter. Der Anblick bereitete ihm Schmerzen. Die blutrote Tätowierung, die zerzausten, glanzlosen Haare und auch ihre einst glänzend violette Haut war verblasst, ergraut und mit einer Vielzahl von Narben übersät. Daedra hatte viel ihrer einstigen Schönheit und Grazie zusammen mit ihren Prinzipien zurück gelassen. Lyras klammerte sich an einen dünnen Faden Hoffnung, dass er diese Prinzipien wieder zum Leben erwecken konnte...
Sein fixierender Blick entlockte der Nachtelfe zum ersten mal eine Reaktion, aus der man mehr als pure Ablehnung lesen konnte. Doch Freude war es nicht.
"Soll das ein Scherz sein?" entgegnete sie. Lyras schüttelte den Kopf.
"Bestimmt nicht. Es sei dir versichert, dass mir selten etwas so ernst war." Er spürte innere Unruhe, die er in ihr entfacht hatte. Doch löste dies auch bei ihm selbst Unbehagen aus, denn er offenbarte ihr damit seit langem zum ersten mal, dass ihm ihr Schicksal nicht gleichgültig war… Doch sie blieb hartnäckig.
"Dieser Entschluss kommt recht spät", und sie klang sehr ernst. "Jetzt nach so vielen Jahren, kommst du hier her und verlangst von mir, dass ich zurück nach Hause komme. Warum glaubst du, sollte ich mich darauf einlassen, Vater?" Wieder herrschte eine Zeit des Schweigens.
"Daedra", Lyras‘ Tonfall hatte sich gewandelt. "Ich habe viel falsch gemacht in den letzten Jahren. Ich war dir nie ein guter Vater..." er wurde unterbrochen.
"Es hätte womöglich schon ausgereicht, wenn du wenigstens da gewesen wärst. Doch du hast dich immer in der Welt herum getrieben... Die Wächter Malygos... Und dann der Bund der Agonie und die Jagt auf Illidan. Ich habe mich nur zu dem entwickelt, was ich von dir gelernt habe. Und jetzt wo du des Kampfes überdrüssig bist, verlangst du von mir, dass ich mein eigenes Leben hinter mir lasse und wieder dein braves Mädchen bin, dass in Astranaar Felle verkauft?" Sie bebte. Ihre Muskeln spannten sich an. Auch ihre Augen funkelten nun aggressiv. Lyras wusste, er hatte nur wenige Chancen, einen alten Fehler wieder gut zu machen und wenn er den falschen Schritt machen würde, könnte er sie für immer verlieren...
- Fortsetzung folgt -
~
@Alex: Schön dass es dir gefällt. Das mit dem Thread finde ich gut. Wenn du dir die Arbeit machen willst, hast du meinen Dank :)
Im nächsten Kapitel wirst du auch mal mit eingebaut. Wenn Liûtasil jedoch einen tragenden Teil spielen soll, bräuchte ich ein paar Informationen über ihn und seinen Charakter. Oder du schreibst einfach selbst etwas. Das gilt übrigens für alle. Jeder ist gern eingeladen, seine eigene Geschichte zu den aktuellen Geschehnissen mitzuschreiben und kann die gerne hier mit eintragen, solange ihr nicht in die laufende geschichte eines anderen mit eingreift. Wenn wir Charakterübegreifende Posts machen wollen, dann nur, wenn wir uns vorher über den Verlauf absprechen und die involvierten Personen ihre Zustimmung geben.
So denne.
lg,
Felix aka Daedra/Lyras
P.S.: Der nächste Teil wird nicht so lange brauchen ;)
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07.06.09, 00:45 |
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Falanasi
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Ganz große Klasse, weiter so! :)
Es kommen jedoch viele Fragen auf - einige könnte wohl ich beantworten wenn ich mich dazu aufgerafft habe, aber das wird wohl noch leider ein wenig warten müssen.
LG
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07.06.09, 16:58 |
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Liûtasil
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schreib dir n paar infos per pn.
ich werd wenns lang genug ist das neu gestalten in nem seperatem teil
edit sagt; kam die pn an bin mir unschlüssig
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30.06.09, 10:11 |
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Lyras
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kam an. Ich hab' mir schon was hübsches für dich überlegt *harhar*
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30.06.09, 11:05 |
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Liûtasil
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wills schwer hoffen und wehe ich baller nicht mindestens 100 Typen übern haufen und es bleibt nur eine narbe zurück...
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30.06.09, 12:08 |
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Lyras
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sry dass ich die versprochene Fortsetzung noch nicht liefern konnte. Wird womöglich noch ein eganze Weile dauern, grade weil ich erstmal weg bin. Wenn jemand Lust hat, kann er trotzdem gern anknüpfen und den Stein noch ein wenig ins Rollen bringen. Sprecht euch aber bitte mit anderen ab, bevor ihr sie in eurer Geschichte mit einbindet.
lg,
Felix
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17.07.09, 11:44 |
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Lyras
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Fortsetzung - Kapitel 2
Es herrschte langes Schweigen. Die beiden leuchtenden Augenpaare funkelten sich lange an. Daedra atmete schwer. Ihre Gefühle zeugten von Trauer mit Zorn gemischt, Lyras wusste das. Langsam trat er an sie heran.
"Es tut mir Leid...", sprach er leise. "Ich dachte, ich könnte dich aus all dem heraus halten... Ich wollte, dass du in Frieden aufwächst und nichts mit den Schrecken zu tun hast, denen ich nachgejagt bin. Ich folgte meiner Bestimmung. Und ich wollte nicht, dass du daran teil hast. In Ashenvale hättest du Frieden finden können, fernab von all dem Übel..." Daedra drehte das Gesicht weg, um seinem Blick auszuweichen.
"Du weißt, dass das nicht möglich war... Nicht nachdem, was damals passiert ist..." Lyras berührte sie an der Schulter.
"Sie ist tot. Du weißt, wir hätten es nicht verhindern können..." Die Nachtelfe hob wieder den Kopf. Und der Zorn stieg ihr erneut ins Gesicht.
"Aber wir haben die Möglichkeit uns zu rächen! Eine Chance, die du nie genutzt hast! Und statt ihren Namen in Ehren zu halten, bist du nur dieser Priesterin hinterher gerannt - falls du überhaupt mal zu Hause warst..." Sie unterbrach sie. Lyras war wie erstarrt und auch seine Mimik hatte sich gewandelt fassungslos sah er sie an und nur langsam fand er seine Stimme wieder.
"Was hast du gesagt...?" Daedra sah beschämt zu Boden. "Du glaubst tatsächlich, wenn du dich allen anderen voran auf die Lakeien des Lichkönigs wirfst, könntest du damit irgendwas bewegen? Seit wann denkst du in so kleinen Dimensionen? Ihren Tod verschuldete unser ältester Feind und die Geißel ist nur ein kleiner Teil dieses Ganzen. Ich habe mich nicht dem Kampf gegen die Legion gewidmet, um mich irgendwann an der Reinkarnation von Ner’zuhl zu rächen. Und mit purer Gewalt wirst du diesen Feind nie überwinden. Du glaubst, ich halte ihr Andenken nicht in Ehren?" Er packte sie an den Schultern, zog sie zu sich und sein bohrender Blick zwang sie dazu, ihm in die Augen zu sehen.
"Du bist ihr Andenken, Daedra. Deine Mutter hat ihr Leben dafür gegeben. Aber wenn du dich jetzt ohne klaren Verstand gegen einen wieder auferstanden Gott wie Yogg-Saron erheben willst, dann hast du nicht den Hauch einer Chance. Dann wäre deine Mutter umsonst gestorben und das wäre sicher nicht in ihrem Sinn!"
Lyras‘ bohrender Blick nahm nicht ab. Wieder herrschte langes Schweigen. Er zog sie zu sich und sie erwiderte die Geste. Sie weinte. Nur mit Mühe konnter er selbst die Tränen unterdrücken. Zum erstenmal seit acht Jahren nahm der Jäger seine Tochter in die Arme. Zum erstenmal seit acht Jahren fühlte sie sich geborgen...
Die Nacht wurde älter und es würde nur noch wenige Stunden dauern, bis die Sonne die nächtlichen Schatten vertreiben würde. Leise schloss Lyras die Tür, welche mit einem trägen Knarren zuglitt. Daedra schlief jetzt. Die letzten Kämpfe hatten sie sehr geschlaucht und auch das lange Gespräch, das sie noch geführt hatten, konnte man nicht gerade als leichten 'Small Talk' bezeichnen. Er wollte sie ruhen lassen. Er konnte noch genauso gut bei Morgengrauen aufbrechen. Mit gemischten Gefühlen schritt der Jäger die Treppen des Gasthauses hinunter, welches im Allianzdistrikt Dalarans lag. Obwohl es sehr spät war, war die Taverne noch gut besucht. Es spielte eine lockere Musik, Barmädchen balancierten mit großen Tablets voller Bierkrüge und anderen Getränken durch den Raum und nahezu alle Tische waren von trinkfreudigen Abendteurern besetzt, welche sich über die neusten Gerüchte austauschten oder von ihren Heldentaten prahlten. Die Präsenz der renomierten Kriegsgilden war groß. Lyras fiel ein Paladin am Tresen auf. Seine schimmernde Rüstung und sein gepflegtes Äußeres hoben ihn von der breiten Masse der Gestalten, die sich im Gasthaus tummelten, stark ab. Doch was Lyras ins Auge fiel, war das Siegel der Agonie, welches er um den Hals trug. Er selbst kannte diesen Mann nicht. Er musste der Gilde also erst vor kurzem beigetreten sein. Aber womöglich hatte er schon an der Seite seiner Tochter gekämpft. Selbiges könnte für die Nachtelfe gelten, die sich bei ihm befand. Auch sie trug das Siegel und auch sie war dem Jäger unbekannt. Kurz überlegte er, sich zu den beiden zu gesellen und sich einfach vorzustellen, doch diesen Gedanken verwarf er schnell. Er wollte nichts über die Kriege wissen, in welche die Gilde verstrickt war und sich dementsprechend auch nicht einmischen. Also steuerte er auf den Ausgang zu, um Malfas abzuholen. Er war schon fast draußen, als ein schriller Pfiff ertönte, welcher ihn dazu veranlasste, sich noch einmal umzudrehen. Im toten Winkel der Treppe befand sich ein weiterer Tisch. Er wurde bis auf wenige Ausnahmen von einem Rudel gröllender Zwerge in Beschlag genommen, welche lauthals im Chor stark verunstaltete Trinklieder sangen. Am hinteren Ende saßen zwei Nachtelfen. Beide Trugen verzierte Gewänder aus Bärenleder, wie es bei den Druiden des Zirkels üblich war. Die beiden zauberten ein Lächeln auf das Gesicht des Jägers. Er machte kehrt und ging auf sie zu. Als er an den Tisch herangetreten war, zeigte einer der beiden auf einen freien Stuhl und bedeutete ihm, sich zu setzen. Lyras nickte knapp und folgte der Aufforderung.
"Schön dich mal wieder zu sehen Lyras." Wurde er begrüßt. Er reichte Jedim die Hand.
"Dich ebenso. Fast ein Jahr ist es her." Er winkte dem zweiten im Bunde, der aber etwas abseits saß, kurz zu. "Liutasil...", dieser erwiderte die Geste kurz und machte sich dann wieder über seinen Bierkrug her welcher, seinem Zustand zur Folge und wie Lyras ihn kannte, nicht der erste an diesem Abend war.
"Du siehst nicht sonderlich gut aus", zog Jedim wieder die Aufmerksamkeit auf sich. "Ist alles in Ordnung?" der Jäger nickte.
"Es geht schon. Nur ein paar familäre Angelegenheiten, die meine Anwesenheit erfordern." Jedim nickte nun ebenfalls zögerlich.
"Du bist also wegen deiner Tochter hier?" fragte er vorsichtig.
"Vielleicht ist das nicht mehr der einzige Grund..." antwortete er leise.
"Ist ja wirklich schon verdammt lange her, dass du dich hier mal blicken lässt", mischte sich Liutasil nun ein - wenn auch schon leicht lallend. "Dachte schon, du bist dir mittlerweile zu fein, um noch mit uns zu trinken." Der Jäger schmunzelte.
"Das nun wirklich nicht." Er wandte sich an die Zwergenbardame, die gerade eine neue Runde Bier an die Zwerge am Tisch verteilte. "Ich nehme ein Donnerbräu." Dann wanderte sein Blick wieder zu Jedim.
"Ich habe gehört, du hättest dich aus dem Kampf zurückgezogen?" Der Druide nickte.
"Ich habe mir andere Prioritäten gesetzt. Wir waren mit Naxxramas fertig. Es war also ein günstiger Zeitpunkt, zu gehen." Er sah den Jäger an. "Ich dachte, du wolltest mit der Sache auch nichts mehr zu tun haben?" Die Frage entlockte dem Jäger ein brummen.
"Da hast du recht. Nur leider sieht Daedra das anders." Jedim schmunzelte zur Reaktion, was Lyras einen fragenden Blick entlockte. "Was ist daran so amüsant?" fragte er, ein wenig zornig. Den Druiden brachte das nicht aus der Fassung.
"Wenn ich an das Chaos damals am Sonnenbrunnen denke, wundere ich mich, dass du dir wegen so etwas banalem wie der Zitadelle von Naxxramas Sorgen machst." Lyras hob eine Augenbraue.
"Banal?" Jedim nutzte die Pause und nahm noch einen tiefen Schluck aus seinem Krug.
"Ich habe schon mit Daedra an meiner Seite gekämpft. Sie ist wirklich deine Tochter, das merkt man. Ein wenig übereifrig und manchmal etwas ungeschickt aber auch bedächtig und lernbereit wenn es hart auf hart kommt. Ich denke, du solltest ihr eine Chance geben." Lyras schnaubte leicht durch die Nüstern und schien ein wenig ratlos. Jedim hatte nicht ganz unrecht und so wie er nun mit dieser Tatsache konfrontiert wurde, dass sein Kind schon lange kein Kind mehr war, wurde ihm klar, dass er sich dies noch nie eingestehen wollte.
"Vielleicht hast du recht", antwortete er mit Zögern. "Doch sieh dir die Agonie mal an..." Er deutete nicht ganz unbeabsichtigt in Richtung der Gestalten am Tresen. "Fast alle mit denen wir damals Seite an Seite gekämpft haben, sind gegangen. Die meisten von all den Neuankömmlingen sind in einem ausgewachsenen Kampf noch grün hinter den Ohren. Von der Gildenpolitik ganz zu schweigen. Die meisten lehnen nach meinem Wissen unsere Verbündeten ab oder können sich mit ihnen nicht identifizieren." Liutasil hatte ihn gehört.
"Das betrifft dich aber genauso. Und Daedra hat ebenfalls ihren Platz im Rat der Agonie und dennoch ist es soweit gekommen." Rief er ihm lauthals zu. Das erzürnte Lyras.
"Hey, soll dass etwa heißen, dass du mir die Schuld in die Schuhe schiebst?" fuhr er ihn an. Den Druiden beeindruckte das wenig.
"Blödsinn. Ich meine nur, dass jeder in der Agonie seine Stimme hat. Und ein jeder bestimmt unsere Politik mit. Es ist immer die Summe mehrer Ereignisse, die zum Endresultat führen. Und wenn alle meinen, wir müssten Rapide unsere Politik ändern - Bitte, aber ohne mich. Darum habe ich mich auch zurück gezogen." Lyras sah ihn fragend an, während Liutasil seinen nächsten Krug leerte.
"Du kämpfst also auch nicht mehr?" fragte der Jäger ungläubig. Jedim lachte.
"Nein, er hält sich jetzt für was besseres und studiert beim Zirkel. Wenn er sich nicht gerade in der Enklave des Cenarius Bücher wälzt, trinkt er noch mehr, als er es ohne hin schon getan hat." Jedims Ansprache entlockte auch dem Jäger ein hämisches Grinsen, was Liutasil offenbar garnicht gefiel. Er schlug seinen Krug lauthals auf den Holztisch, so dass er das Gegrölle der Zwerge übertönte.
"Hey du pensionierter Bettvorleger, willst du damit etwa sagen, dass ich es nicht mehr drauf habe?" Jedim lachte lauthals.
"Du und draufhaben? Schreib’s mir auf!" antwortete er. Gespielt gekränkt erhob sich Liutasil und torkelte unsgeschickt auf den Tisch, was die Aufmerksamkeit einiger Zwerge auf sich zog. Unter lautem Protest riss er der Bardame, welche gerade die neue Runde brachte, das Tablett mit den Bierkrügen aus der Hand. Mit der freien Hand vollführte er einige Gesten, wobei seine Hand einen grünen Lischtschweif formte. Dann hob er triumphierend das Tablett in die Höhe, worauf ein paar Tropfen Bier verschüttet wurden, und auf die am Tisch sitzenden herunter regnete.
"In den Staub ihr Maden! Verneigt euch vor eurem Meister!" lallte Lituasil. Grüne Rauch umwirbelte ihn – Dann war er verschwunden und als der Rauch verzog, stand da… ein Baum. Ein Tanzender Baum, mitten auf dem Tisch. Wo ein gewöhnlicher Baum Früchte trug, hatte dieser plätschernde Bierkrüge an den Ästen hingen. Die für einen Moment verduzt erstarrten Zwerge gröllten lauthals, schlugen auf den Tisch, Klatschten im Takt des Tanzenden Holzes und griffen nach den Bierkrügen. Auch Jedim und Lyras lachten lauthals.
"Macht mir das erstmal nach!" Rief der Baum, und begann noch flotter zu wackeln, wobei immer wieder etwas Bier überschwappte und sich auf den Tisch ergoss. Lyras störte sich nicht an der Tatsache, dass der Druide auch seinen Krug für seine Vorführung entwendet hatte und erhob sich langsam, worauf Jedim ihn fragend ansah.
"Du willst schon gehen?" Lyras nickte.
"Es gibt noch etwas, um das ich mich kümmern muss und ich denke es wird höchste Zeit, dass ich mich der Sache annehme..." Jedim wirkte ein wenig enttäuscht, schien seine Beweggründe aber zu verstehen.
"Nun gut, dann wünsche ich dir viel Erfolg. Es war dennoch schön, dich mal wieder zu sehen. Möge Elune deine Pfeile stets zu ihrem Ziel führen."
Lyras nickte. Er winkte Liutasil zum Abschied, welcher jedoch ganz in seiner Bierbaum-Rolle aufging und immer wieder "Für immer jung..." gröllte, dann wandte der Jäger sich ab.
"Ach und Lyras...", rief Jedim ihm nach. "Gib den Neuen eine Chance!"
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06.09.09, 19:39 |
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Lyras
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Es dämmerte bereits, als Lyras wieder bei Krasus' Landeplatz eintraf. Es schien die einzige Tageszeit zu sein, an der auf Dalarans einziger Landeplattform etwas Ruhe herrschte. Obgleich noch einige mehr oder weniger bekannte Abenteurer hier herum lungerten, oder ihre Tiere zum Abflug vorbereiteten. Als Lyras die Treppe empor trat, sah er Falanasi, der an einer Wand hinter dem Torbogen lehnte.
"Hast du etwa die ganze Nacht auf mich gewartet?" Der Schurke hob eine Augebraue. Daraufhin winkte der Jäger kurz ab.
"Schon gut, eine dumme Frage..." Falanasi musterte ihn ausgiebig.
"Ganz unrecht hast du ja nicht. Ich wollte dich sehen, wenn du abreist. Und wie es scheint, gehst du allein?" Lyras nickte. Ihm fiel schnell auf, dass Falanasi sich Mühe gab, ein Schmunzeln zu unterdrücken.
"Du hast nicht erwartet, dass sie wirklich mitkommen würde, oder?" Der Schurke nickte, und lies seinem Schmunzeln nun freie Bahn.
"Da hättest du sie schon niederschlagen und wegzerren müssen. Freiwillig wäre sie nie mit gegangen. Dafür seid ihr euch zu ähnlich.", auch Lyras musste nun Grinsen. "Deiner Stimmung nach, scheint ihr euch aber doch in Frieden getrennt zu haben...?" Lyras nickte, ging aber nicht weiter darauf ein.
"Ich denke wir haben noch viel nachzuholen..." Dann herrschte einen Moment Schweigen. Lyras sah kurz über den Platz. Malfas lag in einer Ecke zusammen gerollt und schien eingeschlafen zu sein.
"Wann wollte Shorai zurück kehren?" wandte sich der Jäger wieder an Falanasi. Dieser schien von der Frage überrascht.
"Gegen Nachmittag schätze ich... Soll das heißen, du bist dabei?" Lyras nickte knapp.
"Ich versuche es einzurichten. Allerdings muss ich mich vorher noch um ein paar Dinge kümmern." Diese Worte entlockten dem Schurken ein Lächeln.
"Das freut mich. Garlant wird auch da sein. Sie werden sich sicher freuen, dich wiederzusehen."
Lyras nickte erneut, erwiderte aber das Lächeln, bevor er gen malfas deutete.
"Ich werde mich jetzt auf den Weg machen. Umso schneller kann ich wieder hier sein." Sprach er. Falanasi nickte verständlich.
"Dann will ich dich nicht aufhalten. Elune adore!" Die beiden trennten sich.
Der junge Netherdrache war schon vor mehreren Stunden eingeschlafen. Er schlief sehr tief, und man konnte ihn leise atmen hören. Doch dann spürte er die Präsenz des Jägers, woraufhin er sofort erwachte und neugierig den Kopf hob.
"Du hast dir ziemlich viel Zeit gelassen." Sprach er ein wenig vorwurfsvoll. Lyras schreichelte ihm den Hals.
"Es tut mir Leid, aber es war leider nicht so einfach, wie ich es erhofft hatte." Malfas sah sich kurz um, doch von dem jungen Mädchen, an das er sich nur noch vage erinnern konnte, war nichts zu sehen.
"Wir reisen also allein?" der Jäger nickte. Der Netherdracheerhob sich langsam. Er streckte sich einmal ausgiebig und spannte die Flügel. Lyras lies ihn gewähren, und machte dann Antsalten, auf seinen Rücken zu steigen.
"Ich habe von einigen Reisenden gehört, dass es in Dalaran ein Portalsystem gibt." Der Jäger setzte sich in den Sattel und entgegnete nur knapp,
"Ich weiß...", während er seine Ausrüstung in den Satteltaschen überprüfte.
"Eines davon fürhrt direkt nach Darnassus." Verdeutlichte der Drache seine Aussage. Der Jäger sah ihn fragend an.
"Wer sagt denn, dass wir nach Darnassus wollen?"
Malfas ging in die Hockstellung, spannte seine Flügel und stieß sich kräftig ab. Er sprang über die Mauer. Der Wind fing den Drachen sanft auf, welcher begleiten von einem lauten peitschartigem Geräusch mit den Flügel schlug, um an Höhe zu gewinnen. Lyras hielt sich am Sattel fest und beobachtete den Horizont. Wie das seltsame Paar am Vorabend ankam, so verschwand es auch wieder. Malfas flog der Sonne entgegen, deren erste Strahlen grade die Sturmgipfel erklommen hatten. Der mächtige Drache verwandelte sich in einen immer kleiner werdenden Punkt, bis er irgendwann in der Ferne verschwand.
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9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen: "Ich bin nicht verrückt..." Die andere schreit: "Nicht genug Wut!"
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06.09.09, 19:42 |
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Lyras
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Kapitel 3 - "Alpträume"
Die kleine Elfe fiel in die endlose Leere der schwarzen Augen, die sie ausgiebig musterten. Das von dolchförmigen Greifern umgebene Maul der Gruftbestie triefte vor dickflüssigen, klebrigen Speichel, während die untote Spinne ihr Opfer begutachtete, das zusammengekauert auf dem Boden saß. Dann preschte die sechs beinige Bestie vor, öffnete kreischend das Maul, als sich plötzlich glänzender Stahl durch ihren Oberkörper schlug und ihn halb vom Unterleib trennte. Fauchend sackte die Kreatur zusammen. Das grausige knacken berstender Knochen ertönte, als die runenverzierte Gleve erneut in den Oberkörper des Monsters geschlagen wurde und sein untoten Dasein beendete. Ein stinkendes Gemisch aus Blut und Eiter schoss aus der Wunde und der aufgerissene Brustkorb verlor einige faulige Eingeweide, welche auf dem verseuchten Boden aufquollen.
Die kleine Nachtelfe sah auf. Ein hochgewachsener Mann versperrte die Sicht auf die grausige Szene. Seine glänzend weißen Haare waren zu einem langen Pferdeschwanz zusammen gebunden und gaben freie Sicht auf die langen, abstehenden Ohren, von denen das Linke leicht eingerissen war. Er war in eine verzierte Rüstung aus Leder und Ketten gehüllt und sein umgelegter, blutverschmierter Lendenschurz trug das Wappen von Ashenvales Garde. Er zog den klingenbewehrten Stab wieder aus dem Brustkorb des Opfers und holte sofort Schwung um einen Hieb auf einen anstürmenden Guhl anzusetzen, welcher diesen von der Schulter abwärts aufriss und seinen Lauf stoppte. Der Nachtelf wandte sein kantiges Gesicht zu der kleinen Elfe und seine Augen stießen ein energisches gelbes Funkeln aus.
"Daedra! Geh zurück ins Haus!" brüllte er. Das Kind gehorchte ihm nicht.
"Wo ist Mutter?" erwiderte sie aufgebracht. Der Nachtelf fuhr herum. Zwei weitere Gruftbestien wühlten sich aus dem Dickicht. Sie fixierten den Mann und versuchten ihn zu umzingeln. Dieser richtete seine Gleve abwechselnd auf die beiden Kreaturen um sie auf Distanz zu halten.
"Bitte! Du musst von hier verschwinden! Lauf nach Astranaar und schlag Alarm!" appellierte der Nachtelf erneut an das Kind. Das Mädchen erhob sich zitternd. Um sie herum begann das Gras abzusterben und der Boden stank modrig. Dann wurde es kalt... So kalt, das Daedra ihren eigenen Atem sehen konnte. Es war immer warm in Ashenvale. Sie hatte noch nie ihren gefrorenen Atem gesehen. Mit vermischten Gefühlen aus Faszination und Entsetzen betrachtete sie die weißen Wölkchen, die von ihrem Mund aufstiegen und sie zitterte dabei immer heftiger. Sie konnte spüren, dass sich etwas näherte... Ein grausiges, kaltes Lachen erklang hallend in der Ferne...
Es begann zu rascheln im abgestorbenen Gebüsch. Ein schwarzer Schatten schnellte daraus hervor. Die große Raubkatze stieß ein markerschütterndes Brüllen aus und warf sich dann mit einem Satz auf eine der Gruftbestien. Der Nachtsäbler verbiss sich mit seinen Fangzähnen im Unterleib der Kreatur und riss eine tiefe Wunde in das empfindliche Drüsengewebe. Die Spinne fuhr herum und hieb mit ihren Klauen nach der Katze. Immer wieder drehte sie sich um die eigene Achse um den Angreifer abzuschütteln. Doch der Tiger war kräftiger. Er riss den untoten Neruber zu Boden und lies sich mit ihm auf einen gefährlichen Zweikampf ein. Die zweite Gruftbestie fixierte weiterhin den Nachtelfen. Kreischend hieb sie mit ihren Sensenkrallen nach ihm. Der Mann wehrte die Angriffe ab und schwang immer wieder die Gleve um die Spinne zurück zu drängen. Sie wölbte schließlich ihren Unterleib und schoss ein klebriges netzartiges Gewebe nach ihm. Grade noch rechtzeitig senkte er seine Waffe und statt ihm verfing sich die Klinge darin. Die Gruftbestie nutze die Chance und schnappte nach dem Nachtelfen. Er verpasste der Kreatur einen kräftigen Tritt gegen den Kopf und versuchte verzweifelt seine Klinge aus dem Netz zu befreien. Die Spinne zog schmerzhaft fauchend ihren Kopf zurück und fixierte den Nachtelfen mit ihren toten Augen. Endlich war die Klinge frei. Die Gruftbestie hob die Sensenklauen und griff erneut an. Ein schneller beherzter Stoß und zwei Gleven schlugen in den ungeschützten Brustkorb der Bestie. Eitriges Blut quoll aus der Wunde und der leblose Körper brach zusammen.
Der Nachtelf atmete schwer. Seine Augen folgten dem Verlauf der Klinge, welche sich zu der seinen gesellt hatte. Er blieb an den leuchtenden Augen einer weiblichen Nachtelfe hängen. Ihre lange schweißbedeckte Haarpracht klebte ihr teilweise im Gesicht und sie war mit nicht weniger Blut besprenkelt als er selbst.
"Raene, gedankt sei Elune, das ihr hier seid..."
Der Nachsäbler löste den Griff um den Hals der Gruftbestie. Der tödliche Biss hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Behutsam kletterte er von dem verwesenden Leichnam herunter und richtete seinen Blick aggressiv fauchend auf das Dickicht. Das Geräusch umknickender Bäume war zu hören und ein lautes Stampfen brachte den Boden zum beben. Holz wurde zum bersten gebracht und gequälte Schreie ertönten aus dem kleinen Waldstück, aus dem die ersten Angreifer aufgetaucht waren.
"Woher wusstet ihr von unserer Lage?"
Die Anführerin von Ashenvales Schildwachen antwortete mit ernster Stimme, ohne den Blick von dem Wäldchen abzuwenden.
"Unsere Späher haben uns von den Angriffen unterrichtet. Offenbar haben diese Übergriffe überall in Ashenvale stattgefunden."
Der Nachtelf musterte sie aus den Augenwinkeln. In ihrem funkelnden Blick erkannte er die Entschlossenheit und Kampfesleidenschaft, welche Raene Wolfrunner seit jeher auszeichneten. Doch ihren unscheinbar zitternden Händen konnte er die Furcht ablesen, die auch sie ergriffen hatte. Niemand hatte diese abartigen Kreaturen, die ihre Wälder ohne Vorwarnung heimgesucht haben, je zuvor zu Gesicht bekommen. Und ein alter Kal’dorei hatte in seinem Leben schon so manches gesehen. Doch der unverkennbare Gestank von Tod und Verderbtheit war ein unmissverständliches Zeichen. Handelte es sich bei diesen Monstern womöglich nur um die Vorhut eines weitaus größeren Unheils? Ein Unheil, das sie alle schon vor langer Zeit besiegt und vertrieben geglaubt hatten?
Das Donnern wurde lauter. Die sattgrünen Bäume ergrauten und die Blätter starben ab. Hunderte von Vögeln flohen laut kreischend aus den Baumwipfeln. Der drohende Sturm bahnte sich weiter einen Weg durch das Unterholz und riss alles nieder, was ihm auf seinem Weg in die Quere kam.
"Wir sind hier, um den Rückzug der Bevölkerung aus diesem Waldgebiet zu sichern", sprach Raene. Aus den Augenwinkeln konnte der Nachtelf die Konturen mehrerer Jägerinnen erkennen, die sich aus dem Schatten hinter ihnen schälten. Sie ritten auf Mannesgroßen Nachtsäbelpanthern, die in geduckter Haltung und mit gefletschten Reißzähnen in das donnernde Waldstück spähten. Die vier großen Katzen umringten die beiden Krieger. Der junge Nachtsäbler, der ein ganzes Stück kleiner war, als seine gezüchteten Artgenossen, wich diesen ehrfürchtig aus.
"Um sie aufzuhalten, fehlen uns die Streitkräfte und ich habe keine Ahnung, wie lange es dauern wird, bis Verstärkung eintrifft.", fuhr sie fort. Der männliche Nachtelf nickte bedächtig. "Kann ich auf eure Klinge hoffen, Lyras?" der Mann nickte erneut.
"Das könnt ihr, Raene."
Dann brach der Sturm los. Eine gigantische, dreiarmige Kreatur, die aussah, wie ein wandelnder Leichenberg, schlug sich durch das Unterholz. Sie warf eine Reihe junger Bäume um und warf sich dann mit einem kehligen Brüllen auf die Nachtelfen. Die Panther stoben auseinander, als sich die riesigen, blutverschmierten Hackbeile knapp neben ihnen in die faulende Erde gruben. Mit dem verbleibenden Arm schlug das Monster wild um sich, und vereitelte somit einen Angriff der restlichen Gruppe. Eine der Jägerinnen war zu übereifrig. Im Sprung wurde ihr Nachsäbler mitsamt Reiter in der Luft zerissen. Ein kurzer Schrei, dann ein Sprühregen aus Blut und zerfetzen Fleisch, und Raenes Truppe hatte einen ersten Verlust zu beklagen. Die Monstrosität schlug weiter wie wild auf die Nachtelfen ein. Doch sie waren zu flink für das träge Geschöpf. Die Beile gruben den modrigen Boden um und ein Schleier aus Dreck und Blut legte sich über den Kampf. Lyras und Raene Wolfrunner gelang es unter Deckung dem Wesen in den Rücken zu fallen. Mit ihren Gleven führten sie gezielte Hiebe auf die Beine des Ungetüms aus, in der Hoffnung die Monstrosität zu fällen, doch aufgrund der dicken, ledrigen Haut erwies sich dieses Unterfangen als wenig effektiv. Ein lautes Kreischen erlangte die Aufmerksamkeit von Lyras. Er riskierte einen Blick über die Schulter. Aus der Schneise, welche die Monstrosität durch den Wald geschlagen hatte, krochen weitere Scharen von Gruftbestien und Guhlen herbei, welche sich auf die elfische Gegenwehr stürzten. In Hoffnungsloser Unterzahl brüllte Raene nach einem taktischen Rückzug. Im selben Moment gruben sich die Klauen einer nerubischen Spinne in den Hals eines weiteren Kriegssäblers und brachten die Kreatur zu Fall. Sie riss seine Reiterin mit sich. Die Jägerin schrie verzweifelt, als sich die Bestie auf sie stürzte und brachte sich durch gezielte Schläge in den Kopf zum Schweigen - weiteres Blut wurde vergossen.
Die verbliebenen zwei Reiterinnen wurden von der Monstrosität weiter in Bedrängnis gebracht. Wie ein Berserker schlug sie auf die Jägerinnen ein, die ihre Mühe hatten, den drei Armen auszuweichen. Lyras und Raene wurden abgespalten und hielten sich mit schwingenden Gleven eine Scharr Guhle vom Hals.
"Rückzug! Rück...", ein dumpfer Schlag vereitelte Raenes Befehl. Der ausholende Schlag der Monstrosität erwischte sie in einem unachtsamen Moment mit der stumpfen Seite des Hackbeils. Die Wucht des Schlages riss sie vom Boden und schleuderte sie mit gefährlicher Wucht gegen den Stamm eines gefällten Baumes. Bewusstlos blieb sie liegen, außer Reichweite für die verzweifelte Gegenwehr.
Zu Daedras Füßen lag das eingerissene Schwert der ersten getöteten Jägerin. Sie griff in die Blutlache und hob es auf. Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie aufsah und ihren Blick auf den mit Monstern verseuchten Wald richtete. Ihr war nun bewusst, dass ihre Mutter Taidyr, die vor knapp zwei Tagen in die Wälder aufgebrochen war, nicht zurück kehren würde – nie mehr.
"Vater", schrie sie. Und ihr Schrei übertönte das Fauchen der Guhle und das dumpfe Schmettern der Schläge der Monstrosität. Lyras sah über die Schulter und das Entsetzen stand ihm in den Augen.
"Daedra! Ich habe gesagt du sollst verschwinden! Flieh nach Astranaar. Wir können sie nicht aufhalten!"
Nur mit beiden Händen, gelang es dem Kind das Schwert zu halten. Der Zorn war ihr in das tränenüberströmte Gesicht geschmiedet.
"Ich will kämpfen!" Wieder ertönte ein lauter Schrei und ein erneuter Blutregen besprenkelte das Gesicht des Kindes. Die dritte Jägerin war gefallen. Lyras sah seine Tochter an und ihm war eine Angst in sein Gesicht geschrieben, welche ihn nicht einmal die vorrückenden Feinde aufzwingen konnten. Was tat dieses Gemetzel seinem Kind an.
"Kommt nicht in Frage!" Er erschlug einen weiteren Guhl. "Verschwinde endlich!"
Daedra rührte sich nicht. Sie zittere am ganzen Leib und hielt mit aller Kraft das Schwert umklammert.
"Ich will kämpfen!" brüllte sie erneut.
"Nein! Du bist noch viel zu jung...
zu jung...
viel zu jung..."
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9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen: "Ich bin nicht verrückt..." Die andere schreit: "Nicht genug Wut!"
Dieser Beitrag wurde von Lyras am 06.09.09, 19:51 Uhr editiert.
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06.09.09, 19:48 |
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Lyras
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Daedra schreckte hoch.
"In der Tat, viel zu jung..." Die Stimmen waren leise, aber es waren viele. Sie hörte Schritte über ihrem Zimmer und buntes Gemurmel, welches durch das offene Fenster drang. Die Nachtelfe erhob sich langsam und atmete tief durch. Es war lange her, dass sie zuletzt von Alpträumen geplagt wurde. Doch sie waren so stark wie schon lange nicht mehr zurück gekehrt. Sofort musste sie an ihren Vater denken und an seine Worte... Worte und Erinnerungen, die sie in den letzten Jahren immer wieder zu verdrängen versucht hatte. Viele Bilder gingen ihr durch den Kopf. Bilder von Leid und Schmerz. Bilder aus der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, mit der sie nie abgeschlossen hatte. Sie schlug die Hände vor ihr Gesicht, Grub die Finger in ihre Stirn, als wolle sie diese Bilder aus ihrem Kopf reißen. Doch es half ihr nichts. Sie atmete mehrmals tief durch, dann erhob sie sich langsam. Sie streifte sich einen Mantel über und trat auf den Balkon, ihres Zimmers.
Von hier aus hatte sie freien Blick auf den kleinen Park im Zentrum von Dalaran. Der Platz war zum bersten voll. Das war er zwar immer, doch selbst für diese Verhältnisse war die Anzahl der Abendteurer, die sich aus sämtlichen Rassen mit den unterschiedlichsten Berufungen zusammensetzten und sich heute hier versammelt hatten, extrem hoch. Im Zentrum neben dem großen Springbrunnen war ein improvisiertes Lager errichtet worden. Aus zwei Transportkisten und einem Brett hatte man einen Tisch errichtet, hinter dem zwei Menschen saßen. Die Kisten trugen das Zeichen einer bekannten Kriegsgilde. Vor dem Tisch hatte sich eine lange Schlange gebildet. Die beiden Menschen begutachteten jeden genaustens und schienen ihn ausgibig zu befragen.
"Definitiv zu jung. Wir wollen hier keinen Jugendausflug in die Wildnis unternehmen. Außerdem siehst du nicht so aus, als könntest du eine Belagerungsmaschine fahren. Werd' erstmal erwachsen, mein Junge!" sprach der Mann, der in einen fein gewebtes Magiergewand gekleidet war, und schickte den jungen Krieger unter heftigem Protest davon. "Der Nächste!"
Daedra schüttelte verständnislos den Kopf. Ruhm und Ehre erwartete die Bezwinger von Ulduar, doch fragte sie sich, wie viele von diesen Leuten, den ersten Angriff überhaupt überleben würden. Dabei fiel ihr Blick automatisch auf ihre verbeulte Plattenrüstung, welche auf einem Ständer in der Ecke des Raumes hing. Sie richtete ein stilles Gebet an Elune, dass der stark in Mitleidenschaft gezogene Panzer sie nicht im falschen Moment im Stich lassen würde.
Daedra trat vom Balkon und zog die Vorhänge zu. Unter dem Bett lagen eine Messingschale mit frischem Wasser, sowie ein Handtuch für sie bereit. Sie streifte den Mantel zurück und begann sich intensiv zu waschen, bevor sie die Rüstung vom Ständer nahm. Der Harnisch war mit Wolfsfell ausgekleidet, genau wie die Beinplatten. Sie würden sie in der Kälte der Sturmgipfel gut schützen. Sie schlüpfte in Stiefel und Handschuhe und schnallte sich dann die großen Schulterplatten über. Sie nahm den Turmschild, der an ihrem Bett lehnte und band den Ledergürtel um ihre Hüfte. Zuletzt nahm sie ihr Schwert. Mit geschultem Auge überprüfte sie noch einmal jedes Detail der Klinge, bevor sie es in der Scheide verschwinden lies. Dann trat sie durch die Tür ihres Zimmers. Im Gasthaus war es ruhig geworden. Ganz Dalaran war auf den Beinen. Die Reisenden versammelten sich vor den Bankhäusern oder auf dem Markt und die Händler wurden von den vielen Söldnern und Abendteurern überrannt, die ihre Vorräte aufstocken und ihre Ausrüstung aufbessern wollten. Niemand wollte sich zu dieser Zeit etwas Ruhe gönnen. Mit einem Seufzen sah Daedra durch die Fenster nach draußen. Vor dem Gasthaus schlängelte sich eine große, nicht endende Traube von Reisenden vorbei. Sie machte sich garnicht erst die Mühe zu schätzen, wie viele Geldbeutel und andere Wertgegenstände in diesem Gedränge wohl den Besitzer wechseln würden. Zum Glück verfügte die Nachtelfe über kein 'leichtes' Gepäck, dennoch bereitete ihr die Vorstellung, sich durch diesen Strom drängen zu müssen, unbehagen. Doch es half alles nichts. Schließlich wurde sie erwartet. Die Kriegerin holte ein paar Münzen aus ihrer Gürteltasche und lies sie auf den Tresen fallen. Der Wirt, welche gerade damit beschäftigt war, diesen überzuwischen lies die Goldstücke wortlos in seiner Tasche verschwinden. Daedra ging zur Tür. Erneut drangen die Worte von tausend Stimmen an ihr Ohr. Sie atmete einmal tief durch und legte die Hand auf die Türklinke...
- Fortsetzung folgt -
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06.09.09, 19:50 |
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Liûtasil
Dabei seit: April 07
Herkunft: La Calamine
Beiträge: 768
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07.09.09, 11:39 |
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